top of page

10 Mischpult-Fehler die Kirchen machen – und wie du sie vermeidest

Aktualisiert: 26. März

In vielen Kirchen sehe ich immer wieder die gleichen typischen Mischpult-Fehler, die guten Sound fast unmöglich machen. In diesem Artikel zeige ich dir praxisnah, wie du diese Fehler erkennst und abstellst – speziell mit Blick auf den Live‑Sound im Gottesdienst.


Fehler 1: Falscher Umgang mit dem Gain

Der Preamp‑Gain ist nicht einfach ein weiterer Lautstärkeregler, sondern sorgt dafür, dass das zu schwache Eingangssignal einer Quelle so verstärkt wird, dass dein Mischpult sauber damit arbeiten kann. Von diesem Level hängen alle weiteren Bearbeitungen ab: Sends, Kompressoren, Gates und letztlich deine komplette Mischung.


So stellst du den Gain sauber ein:

  1. Solo (PFL) in dem Kanal drücken, mit dem du arbeiten möchtest. Das stellt sicher, dass der Kanal auf deinem Kopfhörer hörbar wird und der Eingangspegel auf der Pegelanzeige für Solo - dem Solo-Meter - angezeigt wird.

  2. Kopfhörer aufsetzen und Kopfhörerlautstärke so einstellen, dass du dich wohl fühlst – sie ist für die Technik an sich egal, aber du musst hören woran du arbeitest

  3. Bitte den Musiker eine laute Passage zu spielen. Und dann: Preamp-Gain so weit hochdrehen, bis das Solo‑Meter am Übergang zwischen Grün und Orange arbeitet. Das entspricht in der Regel auf Digitalpulten -12 bis -18dBFS und auf analogen Mischpulten 0dBVU.

Das machst du ganz am Anfang für jeden Kanal. Wenn diese Basis nicht stimmt, musst du es sicher später anpassen und das verändert dann wieder alles. Also lieber am Anfang einmal richtig machen.


Zusatz-Tipp: Wenn du weißt, dass ein Musiker später lauter spielt als beim Line-Check, dann lass etwas mehr Luft nach oben. Die oberste Regel ist: Kein Clipping, vor allem nicht auf Digitalmischpulten.


Wenn das Input Signal hier landet, dann bist du auf der sicheren Seite.
Wenn das Input Signal hier landet, dann bist du auf der sicheren Seite.

Fehler 2: EQ‑Irrsinn statt gezieltem Einsatz

Wenn dein EQ aussieht wie eine Achterbahn – alles stark nach oben oder unten gezogen – kannst du dir ziemlich sicher sein, dass etwas grundlegend nicht stimmt. Ein stark nach unten gezogener, breiter EQ‑Bereich macht im Grunde das gesamte Signal einfach leiser, was du wesentlich eleganter mit dem Fader erledigen könntest. Umgekehrt kompensiert ein hochgezogener EQ‑Bereich oft nur einen zu niedrigen Fader, denn unser Ohr denkt immer lauter sei besser und ein EQ ist auch ein Lautstärkeregler.

Besserer Ansatz:

  • Erst sicherstellen, dass Quelle, Musiker, Mikrofonposition, Raum und Anlage halbwegs in Ordnung sind.

  • Dann mit, gezielten Eingriffen nach Gehör arbeiten, statt das gesamte Frequenzbild zu verdrehen. Du darfst ruhig ordentlich zulangen, wenn nötig, aber mit Ohr und Verstand.

  • Wenn der EQ völlig wild aussieht, lieber einmal „Reset“ drücken und von vorne beginnen.

In vielen Fällen klingt ein gutes Instrument mit guter Mikrofonierung bereits ohne EQ erstaunlich ordentlich – der EQ ist zum Optimieren da, nicht zum Reparieren eines komplett schiefen Setups.


Hier sollte man besser von neuem starten. Die Taste "RESET ALL" hilft dabei
Hier sollte man besser von neuem starten. Die Taste "RESET ALL" hilft dabei

Fehler 3: Überall Gates und Kompressoren

Wenn auf deinem Mischpult auf fast jedem Kanal Gate und Kompressor aktiv sind und alle LEDs fröhlich blinken, ist das ein klares Warnsignal. Gates sind für mich echte Problemlöser: zum Eindämmen von Rauschen, Verringern von Übersprechen, etwa bei Toms, Snare oder Kick. Sie gehören aber nicht auf jedes Instrument, jede Vocalspur und jeden Kanal nur weil man es kann.

Praktischer Check:

  • Testweise alle Gates und Kompressoren ausschalten.

  • Hören, wie die Anlage ohne diese Helfer klingt.

  • Nur dort wieder einschalten, wo du wirklich ein konkretes Problem oder ein klares Ziel hast (Gate z.B. mehr Separation bei den Toms, weniger Rauschen eines E-Gitarren Verstärkers. Kompressoren z.B. für mehr Punch bei Kick und Snare oder mehr Kontrolle der Vocals).

In erstaunlich vielen Fällen klingt das System ohne „Dauer‑Dynamics“ direkt natürlicher und transparenter. Übrigens, ich selbst nutze in der Zwischenzeit nur noch sehr selten Gates.


Fehler 4: Kanal‑Chaos statt klarer Struktur

Wild durcheinander gewürfelte Kanäle – erst Vocals, dann ein Teil vom Schlagzeug, dann Bass, dann wieder ein paar Trommeln, dann Klavier, Gitarre, Sprecher irgendwo mittendrin – machen deinen Mix langsam, unübersichtlich und fehleranfällig. Du weißt nie, wo du im Ernstfall hin fassen musst, und bist im Zweifel immer zu spät. Einfach nur, weil das Mischpult unordentlich ist.

So schaffst du Ordnung:

  • Kanäle logisch sortieren (z.B. Drums, Bass, Gitarren, Keys, Vocals, Moderation).

  • Sauber benennen und mit Farben arbeiten, sodass du dich intuitiv zurechtfindest.

  • DCA‑ oder Gruppen‑Fader farblich passend zu den Kanälen anlegen (z.B. Drums blau, Bass orange, Gitarren grün, Keyboards rot, Vocals gelb, Headsets pink), damit du auch in Stresssituationen schnell die richtigen Gruppen greifen kannst.

Je vertrauter dir deine Konsole visuell ist, desto schneller und entspannter kannst du mischen. Plötzlich konzentrierst du dich auf die Musik und nicht mehr auf die Navigation


Fehler 5: Kein oder schlechtes Lautsprechermanagement

Sobald du im Raum mehr als zwei Lautsprecher für Links/Rechts stehen hast, brauchst du irgendeine Form von Lautsprechermanagement. Das kann ein externer Controller sein oder – wie beim X32 – über Matrizen im Mischpult gelöst werden.

Wichtige Aufgaben des Lautsprechermanagements:

  • Subwoofer nur mit tiefen Frequenzen versorgen, Tops vom unnötigen Bass entlasten (Trennfrequenz/Crossover).

  • Delaylines zeitlich verzögern, damit Schall von vorderer und hinterer Lautsprecherreihe gleichzeitig beim Publikum ankommt.

  • Nebenräume, Foyer oder Empore separat beschicken und dort mit eigenem EQ und Pegel anpassen.

Die meisten aktuellen Digitalmischpulte bieten die Option die Main‑Summe auf mehrere Matrizen zu schicken: eine für die Haupt‑PA, eine für Subwoofer, eine für Nearfills, eine für Delaylines usw. So bekommt jede Lautsprechergruppe genau das Signal, das sie wirklich wiedergeben soll.


In den vielen Tontechnik Seminaren, die ich bei Kirchen vor Ort gebe, schauen wir uns zuerst die Anlage und deren Management an. Wenn diese klanglich bestmöglich eingerichtet ist, wird alles Mischen anschließend viel einfacher. Mehr Informationen über die SO GEHT SOUND Seminar-Angebote findest du hier.


Fehler 6: Auf Kopfhörern den Saal‑Sound beurteilen

Der Kopfhörer sagt dir nichts darüber, wie es im Saal klingt, wenn du für eine PA und einen Raum mischst. Raumakustik, Lautsprecherposition, Mixposition, Publikum – all das beeinflusst den Klang massiv, und dein Kopfhörer bildet diese Faktoren nicht ab.

Wofür Kopfhörer sinnvoll sind:

  • Einpegeln mit Solo/PFL.

  • Fehler suchen: Surren, Rauschen oder Störgeräusche kanalweise aufspüren.

  • Kontrolle von Nebenraum-Mischungen oder Streams, bei denen du ohnehin nicht weißt, welche Endgeräte später verwendet werden.

Für den eigentlichen Saal‑Mix gilt: Den Klang im Raum beurteilen, nicht im Kopfhörer.


Fehler 7: Klang am Einzelinstrument „schön drehen“

Es bringt wenig, wenn du 10 Minuten lang nur die Kick oder nur die Snare solo hörst und mit EQ und Kompressor herumspielst, bis dir der Solo‑Sound gefällt. Das Publikum hört fast nie ein Instrument isoliert, sondern immer den gesamten Mix – das Instrument muss im Kontext mit den anderen Signalen funktionieren.

Praxis‑Tipps:

  • Einzelne Instrumente im Zusammenhang mit der Band einstellen.

  • Solo nur für Fehlersuche und Einpegeln nutzen, nicht zum eigentlichen Mischen.

  • "Fokus-Modus" nutzen. Wenn du dir das Hören einer Einstellung kurzzeitig einfacher machen möchtest, dann schiebe den Fader dieses Instruments ein paar dB lauter, mache deine Einstellung und verringere den Pegel anschließend wieder auf den Ursprungs-Wert.

So vermeidest du, dass ein mühsam erstellter Solo‑„Traumsound“ im Band‑Mix plötzlich überhaupt nicht mehr passt.


Fehler 8: Das Mischpult soll alles lösen

Mischpulte können heute unglaublich viel – aber für viele der wirklich entscheidenden Probleme sind sie schlicht das falsche Werkzeug. Viele Techniker sind so stark auf das Mischpult fokussiert, dass sie die eigentlichen Stellschrauben für die Optimierung des Kirchensounds nicht sehen.


Damit dir das nicht passiert und du einen Überblick über alle relevanten Faktoren bekommst und euer System gezielt prüfen kannst, wurde die SO GEHT SOUND Checkliste für exzellenten Sound in der Kirche entwickelt. Du kannst sie hier kostenlos herunterladen.



So nutzt du die Checkliste sinnvoll:

  • Gehe Punkt für Punkt euer System durch.

  • Hake alles ab, was bei euch bereits passt.

  • Alles, was du nicht abhaken kannst, ist ein klarer Ansatzpunkt für die nächste Optimierung.


Ein Beispiel, das viele Kirchen nicht auf dem Schirm haben: Gerade in breiten Gottesdiensträumen sehe ich häufig Subwoofer‑Konfigurationen, die akustisch wenig Sinn ergeben. Beliebt ist etwa die Zahnlücken‑Aufstellung vor der Bühne: Die Subs stehen mit Abstand zueinander, dadurch entsteht eine eher schmale Hauptabstrahlung – die Mitte bekommt viel Bass, die Außenbereiche deutlich weniger. Eigentlich möchte man aber eine möglichst gleichmäßige Versorgung aller Plätze. In diesem Fall passt die Subwoofer‑Aufstellung schlicht nicht zum Raum. Ein langer, schmaler Raum dagegen kann von einer solchen Konfiguration durchaus profitieren.


Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Subwoofer‑Setups (Cluster, Zahnlücke, Cardioid, End‑Fired usw.). Die optimale Lösung für euren Raum erarbeitet ihr idealerweise gemeinsam mit einer Fachperson – die Checkliste hilft euch dabei, die richtigen Fragen zu stellen und keine wichtigen Punkte zu übersehen.


Fehler 9: Keine oder schlechte Voreinstellungen

Wenn der Klang von Sonntag zu Sonntag stark schwankt, liegt das sehr häufig an den Voreinstellungen, Show Files, Presets oder Szenen im Digitalpult. Jede einzelne Einstellung speichern zu können, ist Segen und Fluch zugleich: Für wechselnde Veranstaltungen unter der Woche ist das praktisch, wenn aber alle Tontechniker „ihr eigenes Süppchen kochen“, wird es zum Problem.


Typischer Ablauf:

  • Jeder Ehrenamtliche legt sich eigene Presets an, ruft sie auf, verändert sie und speichert sie erneut.

  • Alle Ehrenamtlichen sind unterschiedlich fit im Tontechnik‑Handwerk.

  • Die Profis verbessern ihre Voreinstellungen im Laufe der Zeit immer weiter.

  • Die weniger Erfahrenen entwickeln ihre Presets kaum oder verschlechtern sie sogar.

Das Ergebnis: Die verschiedenen Voreinstellungen driften qualitativ immer weiter auseinander – und genau das hört man im Gottesdienst.


Wichtig ist dabei: Von keinem Ehrenamtlichen kann man erwarten, ein Audio‑Profi zu sein. Aber wenn alle dieselbe solide Grundlage am Mischpult vorfinden, können sie auch mit unterschiedlichen Erfahrungsständen zu einem ähnlich guten Klang beitragen. Der Haken: Eine wirklich gute Grundvoreinstellung zu erstellen ist komplex, sie muss gepflegt werden, und es braucht klare Absprachen im Team – plus die Disziplin, sich dauerhaft daran zu halten.


Wie stark dieser Hebel ist, habe ich erst verstanden, als mir ein Tontechnik‑Mitarbeiter erzählte, wie viel leichter ihm der Mix fiel, nachdem er mein Preset statt seines eigenen genutzt hatte. Wenn bei euch jeder Techniker seine eigenen Voreinstellungen nutzt und ihr mit extrem unterschiedlichen Klangergebnissen kämpft, dann kann ein gemeinsam definiertes, gut gepflegtes Standard‑Preset ein mächtiger Schritt in Richtung konstant guter Sound sein. Die unterschiedlichen Menschen werden weiterhin unterschiedliche Nuancen im Klang haben – aber die Schwankungen werden deutlich kleiner.


Fehler 10: Schlechte Mixposition

Ja, leider ist der letzte Fehler in dieser Liste einer, den ich bei sehr vielen Kirchen sehe. Und er steht am Ende, weil es viellicht das erste ist, das du in eurem Setup überdenken solltest. Dieser Fehler besteht darin das Mischpult an einem ungeeigneten Hörplatz aufzustellen, wo die Tontechniker überhaupt nicht beurteilen können, wie es woanders im Raum klingt.


Es klingt so einfach das Mischpult einfach an einen Ort im Saal zu stellen, an dem auch die meisten anderen Menschen sich befinden aber ästhetisch und logistisch treffen gerade Kirchen hier oft auf große Widerstände. Für exzellenten Klang ist es allerdings unerlässlich, dass die Person, die diesen Klang formt, auch hören kann was sie tun muss.


Darauf höre ich wirklich immer das Argument, dass man sich ja auch mit dem Tablet ins Publikum setzen kann. Das mag ein Ansatz sein, aber ein Mischpult mit 16 Fadern ist etwas anderes als ein 10-Zoll-Touchscreen. Aktiv und vorausschauend zu mischen ist auf einem Mischpult mit Fadern und Reglern viel einfacher. Ich halte es für einen falschen Ansatz den Tontechnikern ihren ohnehin schon herausfordernden Job auf diese Weise noch schwerer machen.

Der Glaube kommt aus dem Hören (...) Röm.10,17

Tontechniker, die nicht gut hören können, weil sie mit ihrem Werkzeug an einen schlechten Hörplatz verbannt wurden, haben sehr schlechte Voraussetzung für ungestörtes Hören sorgen zu können.


Hol dir die Checkliste für exzellenten Kirchensound

Hier noch einmal der Hinweis auf die kostenlose Checkliste für exzellenten Sound in der Kirche.


Lade dir die Checkliste hier herunter, gehe durch euer System und hake alles ab, was bei euch bereits passt. Alle Faktoren, die du nicht abhaken konntest, sind Ansätze für die nächste Optimierung.



 
 
 

Kommentare


bottom of page